Active Directory Grundlagen
Lektion 3 von 7
Benutzer, Computer und Gruppen
Verstehe Sicherheitsprinzipale, SIDs und eine wartbare gruppenbasierte Berechtigungsvergabe.
Lernziele
Nach Abschluss dieser Lektion kannst du:
- Benutzer-, Computer- und Gruppenobjekte erklären
- Sicherheitsprinzipale und SIDs konzeptionell verstehen
- Security und Distribution Groups unterscheiden
- Global, Domain Local und Universal konzeptionell einordnen
- Gruppenverschachtelung verstehen
- rollenbasierte Berechtigungen und AGDLP erklären
- Gruppen statt direkter Benutzer-ACLs begründen
- Deaktivieren und Löschen unterscheiden
- Computer als Domänen-Sicherheitsidentitäten verstehen
- Benutzer
- Personen- oder dienstähnliche Identität
- Computer
- Sicherheitsidentität eines Domänencomputers
- Security Group
- Mitgliedschaft für Autorisierung
- Distribution Group
- Verteilung beziehungsweise Messaging, nicht ACL-Autorisierung
- OU
- Organisatorischer Container, keine Berechtigungsgruppe
Benutzer, Computer und Sicherheitsprinzipale
Ein Benutzerobjekt repräsentiert eine Identität. Typische konzeptionelle Attribute sind Name, Anmeldename, User Principal Name (UPN), Gruppenmitgliedschaften, Kontostatus und weitere Verzeichnisdaten. Beispiele enthalten keine Passwörter.
Domänenverbundene Computer besitzen normalerweise Computerobjekte und eine eigene Sicherheitsidentität. Sie sind nicht bloß Inventareinträge und können sich für maschinenbezogene Vorgänge gegenüber der Domäne authentifizieren.
Benutzer, Computer und Security Groups können Sicherheitsprinzipale mit einer Security Identifier (SID) sein. Zugriffslisten referenzieren diese SIDs. Nicht jedes AD-Objekt ist ein Sicherheitsprinzipal: Eine OU ersetzt beispielsweise keine Security Group in einer normalen Ressourcen-ACL.
SID und Lebensdauer
Der Name eines Objekts kann sich ändern, während seine SID innerhalb seiner Lebensdauer die entscheidende Sicherheitsreferenz bleibt. Wird ein Benutzer gelöscht und mit demselben Namen neu erstellt, entsteht ein neuer Sicherheitsprinzipal mit neuer SID. SID-Zeichenfolgen müssen hier nicht auswendig gelernt werden.
Gruppentyp und Gruppenbereich
Eine Security Group kann für Autorisierung und Zugriffsrechte verwendet werden. Eine Distribution Group ist für Verteilung beziehungsweise Messaging vorgesehen und wird nicht als Windows-Sicherheitsprinzipal für ACL-Berechtigungen eingesetzt.
- Global
- bildet häufig Konten mit einer Rolle aus derselben Domäne ab
- Domain Local
- bildet häufig eine Berechtigung auf eine Ressource in einer Domäne ab
- Universal
- kann Forest-Domänen überspannen und ist für Mehrdomänen-Szenarien nützlich
Diese Rollen sind einsteigerfreundliche Entwurfszusammenfassungen, keine vollständige Liste aller technischen Mitgliedschaftsregeln.
Verschachtelung und AGDLP
Gruppen dürfen im Rahmen ihrer Typ- und Bereichsregeln Mitglieder anderer Gruppen sein. Dadurch lassen sich berufliche Rollen von Ressourcenrechten trennen, direkte Benutzer-ACLs reduzieren und Wechsel einfacher verwalten. Beliebig tiefe Verschachtelung bleibt unübersichtlich.
- Accounts
Anna, Ben - Global role group
GG_Support - Domain Local resource group
DL_Files_Support_Modify - Permission
Ändern auf \\fileserver\support
AGDLP bedeutet Accounts → Global Groups → Domain Local Groups → Permissions. Es ist ein bewährtes Entwurfsmuster, keine Protokollpflicht.
Warum nicht direkt pro Benutzer?
Direkte Benutzerberechtigungen sind technisch möglich, werden bei vielen Benutzern aber schwer wartbar. Wo praktikabel, verbindet ein rollenbasierter Gruppenentwurf Least Privilege mit nachvollziehbaren Berechtigungen. Tägliche Arbeit als Domain Admin, pauschales Full Control und geteilte Administratorkonten sind keine geeigneten Standards.
Übung
Verzeichnisobjekte und Sicherheitsbegriffe
Planungsfall
Anna und Ben arbeiten im Support; Clara in der Verwaltung. Entwirf Benutzerobjekte, Rollen- und Ressourcenberechtigungsgruppen: Anna und Ben → GG_Support → DL_Support_Modify → Ändern auf \\fileserver\support. Clara → GG_Verwaltung → DL_Verwaltung_Modify → Ändern auf \\fileserver\verwaltung. Die Namen sind Beispiele, kein universeller Standard.
Ungeeignet wären direktes Full Control für jeden Benutzer, eine eigene Domäne für Support, eine OU als vermeintliche Dateiberechtigung oder eine IP-Adresse als Gruppenmitglied.
Deaktivieren statt sofort löschen
Beim Deaktivieren bleibt das Objekt mit seinen Mitgliedschaften erhalten, kann aber normalerweise nicht als aktivierte Identität für interaktive beziehungsweise Domänenauthentifizierung verwendet werden. Beim Löschen wird das Verzeichnisobjekt entfernt. In Offboarding- oder Untersuchungsabläufen kann zuerstiges Deaktivieren den Kontext bewahren.
Typische Fehlvorstellungen
- Falsch: „Computerobjekte sind nur Inventareinträge.“
- Korrektur: Computer besitzen eine eigene Domänen-Sicherheitsidentität.
- Falsch: „Jedes AD-Objekt hat dieselbe Sicherheitsfunktion.“
- Korrektur: Nur geeignete Objekttypen sind Sicherheitsprinzipale.
- Falsch: „Eine OU kann statt einer Security Group Dateirechte erhalten.“
- Korrektur: OU und Berechtigungsgruppe haben verschiedene Aufgaben.
- Falsch: „Berechtigungen sollten immer direkt Benutzern gegeben werden.“
- Korrektur: Gruppenbasierte Vergabe ist meist wartbarer; direkte ACLs sind dennoch technisch möglich.
- Falsch: „Security Group und Distribution Group sind dasselbe.“
- Korrektur: Nur die Security Group ist für Windows-Autorisierung vorgesehen.
- Falsch: „Neu erstellen mit gleichem Namen ergibt dieselbe Sicherheitsidentität.“
- Korrektur: Das neue Objekt erhält eine neue SID.
- Falsch: „AGDLP ist ein zwingendes AD-Protokoll.“
- Korrektur: AGDLP ist ein Entwurfsmuster.
Optionale, nur lesende Beobachtung
In einer vorhandenen, autorisierten AD-Umgebung können Get-ADUser, Get-ADComputer und Get-ADGroup optional Informationen lesen. Sie benötigen das PowerShell-Modul ActiveDirectory beziehungsweise RSAT, eine passende AD-Umgebung und ausreichende Leserechte. Modul oder RSAT werden nicht installiert; die Basislektion funktioniert ohne Domain Controller.
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