DNS
Lektion 5 von 6
DNS-Fehleranalyse
Grenze typische Fehler der Namensauflösung systematisch ein.
Lernziele
Nach Abschluss dieser Lektion kannst du:
- DNS- von allgemeinen Netzwerkfehlern unterscheiden
- Resolverkonfiguration und DNS-Records gezielt prüfen
- NXDOMAIN, SERVFAIL, Timeout und leere Antworten unterscheiden
- falsche oder alte Daten anhand Cache und TTL untersuchen
- rekursive von autoritativen Problemen trennen
- Forward-/Reverse-Abweichungen erkennen
- nslookup und optional dig sinnvoll einsetzen
Erst Belege sammeln, dann verändern
- 1. Ist grundlegende IP-Konnektivität vorhanden?
- 2. Welcher DNS-Resolver ist konfiguriert?
- 3. Ist dieser Resolver erreichbar?
- 4. Liefert die gezielte Abfrage eine Antwort?
- 5. Ist der zurückgegebene Record korrekt?
- 6. Antwortet ein anderer Resolver anders?
- 7. Können Cache und TTL alte Daten erklären?
- 8. Stimmen autoritative Zone und Record?
- 9. Ist die Delegation korrekt?
- 10. Sind Forward und Reverse dort konsistent, wo es benötigt wird?
Beginne nicht mit zufälligem Cache-Leeren. Jeder Schritt soll eine Hypothese prüfen.
IP funktioniert, Name nicht
Die Anwendung erreicht 192.168.10.20, aber nicht server.firma.test. Das ist starke Evidenz für eine Untersuchung der Namensauflösung, beweist aber nicht, dass DNS die einzig mögliche Ursache ist: Anwendungen können Namen und Dienste zusätzlich anders behandeln.
Antworttypen unterscheiden
NXDOMAIN
Eine gültige DNS-Antwort: Der abgefragte Name existiert im Antwortkontext nicht.
SERVFAIL
Resolver/Server konnte die Anfrage nicht erfolgreich abschließen, etwa wegen Upstream-, Autoritäts-, Delegations-, Server- oder in realen Netzen DNSSEC-Validierungsproblemen.
Timeout / keine Antwort
Mögliche Ursachen: unerreichbarer Server, Firewall/Pfad, Dienst lauscht nicht, Ausfall, Paketverlust. Das ist nicht NXDOMAIN.
Leere Antwort
Der Name kann existieren, aber keinen Record des abgefragten Typs besitzen. A, AAAA, MX, NS und PTR bewusst wählen.
DNS gezielt abfragen
nslookup server.firma.testFragt typischerweise den konfigurierten/default Resolver und zeigt dessen DNS-Antwort. Das bildet nicht zwingend den gesamten Resolverpfad jeder Anwendung ab.
dig server.firma.test AOptional auf Linux/Unix-artigen Systemen; keine Installation erforderlich.
dig firma.test MXFragt bewusst Mail-Records.
dig firma.test NSPrüft Nameserverinformation.
Konfigurierten Resolver prüfen
ipconfig /allZeigt unter Windows unter anderem konfigurierte DNS-Server.
ipconfig /displaydnsKann den lokalen Windows-Resolvercache anzeigen.
cat /etc/resolv.confHinweis unter Linux; die Datei kann von systemd-resolved, NetworkManager oder anderer Software erzeugt sein und ist nicht immer allein maßgeblich.
resolvectl statusOptional, falls die jeweilige Linux-Umgebung systemd-resolved nutzt.
Falsche oder alte Antwort
server.firma.test soll nun 192.168.10.30 liefern, der Client sieht aber 192.168.10.20. Vergleiche konfigurierten Resolver und – falls bekannt – autoritativen Server, prüfe TTL und kontrolliere den autoritativen Record. Ein Cache innerhalb der TTL ist möglich; eine fehlerhafte Zonendatei ebenso.
Cache-Schichten können in Anwendung/Browser, Betriebssystem/Stub, lokalem rekursivem Resolver oder Upstream liegen; nicht jedes System besitzt alle. Darum können zwei Clients zeitweise unterschiedliche Antworten erhalten.
Falscher Resolver durch DHCP
Erhält ein Client 192.168.10.5 statt des vorgesehenen Firmenresolvers 192.168.10.10, können interne Namen ausfallen oder anders beantwortet werden, obwohl externe Auflösung noch klappt. DHCP kann eine falsche DNS-Serveradresse verteilen, obwohl die Adressvergabe selbst erfolgreich ist. Gateway und DNS bleiben verschiedene Angaben.
Forward und Reverse getrennt prüfen
server.firma.test A 192.168.10.20, aber der PTR liefert oldserver.firma.test. A und PTR werden getrennt gepflegt. Die Abweichung kann Administration, Logs oder bestimmte Richtlinien/Dienste betreffen, ist aber nicht für jede Anwendung zwingend fatal.
Wissenscheck
Der nächste sinnvolle Prüfschritt
Zwei Clients, zwei Antworten
Client A erhält die alte, Client B die neue Adresse. Ein möglicher, naheliegender Prüfpunkt ist der jeweilige Resolverpfad mit Cache und TTL. Das ist eine Hypothese, keine garantierte Ursache.
Typische Fehlvorstellungen
- Falsch: „Wenn ping per Name nicht klappt, ist DNS definitiv kaputt.“
- Korrektur: Ping hängt auch von ICMP und Zielverhalten ab; nutze DNS-spezifische Werkzeuge.
- Falsch: „NXDOMAIN bedeutet, der DNS-Server ist nicht erreichbar.“
- Korrektur: NXDOMAIN ist eine negative DNS-Antwort; Unerreichbarkeit zeigt sich eher als Timeout.
- Falsch: „DNS-Cache löschen ist immer der erste Schritt.“
- Korrektur: Erst Zustand und Antworten dokumentieren.
- Falsch: „Wenn eine IP erreichbar ist, funktioniert automatisch DNS.“
- Korrektur: IP-Kommunikation und Namensauflösung sind getrennte Funktionen.
- Falsch: „A und PTR sind automatisch gekoppelt.“
- Korrektur: Forward und Reverse werden separat konfiguriert.
- Falsch: „SERVFAIL bedeutet immer, der Name existiert nicht.“
- Korrektur: SERVFAIL ist eine andere Fehlerklasse ohne eindeutige Einzelursache.
Praktische Checkliste
- Client
- IP/Gateway okay? · DNS-Server konfiguriert? · Resolver erreichbar?
- Query
- Name und RR-Typ korrekt? · Antwort, Timeout, NXDOMAIN oder SERVFAIL?
- Resolver
- Cache/TTL? · Upstream? · passende interne Umgebung/Ansicht, falls vorhanden?
- Autoritativ
- Record und Zone korrekt? · Delegation? · TTL?
Nächste Lektion
Praxis: DNS mit Filius
Im Abschlusslab konfigurierst, testest und störst du eine kleine DNS-Umgebung kontrolliert.
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