DHCP

Lektion 3 von 6

Leases, Adresspool und DHCP-Optionen

Plane dynamische Adressbereiche und verstehe Leases, Reservierungen sowie wichtige DHCP-Optionen.

Lernziele

Nach Abschluss dieser Lektion kannst du:

  • einen DHCP-Lease erklären
  • einen Adresspool beziehungsweise Scope erklären
  • dynamisch vergebbare, ausgeschlossene und reservierte Adressen konzeptionell unterscheiden
  • die Bedeutung der Lease-Dauer erklären
  • Verlängerung auf Einsteigerniveau verstehen
  • häufige per DHCP gelieferte Konfigurationswerte nennen
  • DHCP-Reservierungen konzeptionell verstehen
  • Fehler in der Adresspool-Planung erkennen
  • begründen, warum ein Pool zum vorgesehenen Subnetz passen muss

Adresspool oder Scope

Ein DHCP-Server braucht einen Bereich, aus dem er Adressen vergeben darf. Im Beispielnetz 192.168.10.0/24 reicht der konfigurierte DHCP-Pool von 192.168.10.100 bis 192.168.10.200. Das gesamte Subnetz muss nicht dynamisch vergeben werden.

192.168.10.0/24

  1. .0Netzadresse
  2. .1–.99außerhalb des Beispiel-Pools
  3. .100–.200DHCP-Pool
  4. .201–.254außerhalb des Beispiel-Pools
  5. .255Broadcast
Beispiel eines administrativen Plans: Nur .100–.200 ist hier dynamischer Pool. Diese Aufteilung ist keine Eigenschaft eines /24; Bereiche außerhalb können gemäß Netzdesign anderen geplanten Zwecken dienen.

Die Netzadresse 192.168.10.0 und die Broadcast-Adresse 192.168.10.255 dürfen in einem gewöhnlichen Hostpool nicht vergeben werden. Der Pool muss zum vorgesehenen Subnetz gehören und darf nicht unkoordiniert Adressen überlappen, die bewusst statisch verwendet werden.

Lease: Nutzung auf Zeit

Ein Lease ist die zeitlich begrenzte Berechtigung beziehungsweise Konfiguration, mit der ein Client eine zugewiesene Adresse nutzt. Vor Ablauf versucht der Client normalerweise, die Lease zu erneuern. Der Server kann dabei dieselbe Adresse verlängern – Ablauf bedeutet also nicht, dass die Adresse zwingend wechselt.

Gast-WLAN

Kürzere Leases können sinnvoll sein, weil die Menge der Clients häufig wechselt und Adressen früher wieder verfügbar werden sollen. Das erzeugt zugleich mehr Erneuerungsverkehr.

Stabile Büroumgebung

Längere Leases können Erneuerungsaufwand reduzieren und zu stabileren Zuweisungen passen. Änderungen an Parametern erreichen Clients dann möglicherweise später.

Die passende Lease-Dauer ist eine administrative Designentscheidung. Diese Einführung verzichtet bewusst auf T1-/T2-Details des DHCP-Zustandsautomaten.

DHCP-Optionen liefern zusätzliche Konfiguration

Neben der Adresse kann DHCP Optionen für Subnetzmaske, Standardgateway beziehungsweise Router, DNS-Server und Lease-Zeit liefern. Je nach Umgebung sind auch Domainname oder NTP-Server möglich. Entscheidend ist hier das Konzept, nicht das Auswendiglernen von Optionsnummern.

Standardgateway

Layer-3-Pfad zu entfernten Netzen.

DNS-Server

Löst Namen in passende Adressinformationen auf.

DHCP-Server, Gateway und DNS-Server können in kleinen Netzen Funktionen desselben Geräts sein oder – je nach Design – getrennte Systeme. Ihre Rollen bleiben verschieden.

Reservierung statt lokaler statischer Konfiguration

In vielen DHCP-Umgebungen wird eine Reservierung anhand der MAC-Adresse beziehungsweise Client-Identifikation eingerichtet. Der Client verwendet weiterhin DHCP; der Server bietet ihm konsistent eine vorgesehene Adresse an. Eine Identifikation kann implementationsabhängig über mehr als nur die MAC-Adresse erfolgen.

Statisch / manuell
Die Netzwerkkonfiguration wird lokal am Gerät eingetragen.
DHCP-Reservierung
Der Client bleibt automatisch konfiguriert; der Server ordnet seiner Identifikation eine vorhersehbare Adresse zu.

Wissenscheck

Adresspool prüfen

Welche Adressen liegen innerhalb des konfigurierten DHCP-Pools 192.168.20.100–192.168.20.200 im Netz 192.168.20.0/24?

Mehrere Antworten können richtig sein.

Adresskonflikte vermeiden

Wird eine Adresse innerhalb des DHCP-Pools zusätzlich manuell vergeben, ohne den DHCP-Server zu koordinieren, kann eine doppelte Adressvergabe entstehen. Reservierungen, Ausschlüsse und ein dokumentierter Poolplan helfen, solche Kollisionen zu vermeiden.

Typische Denkfehler

Falsch: „Der DHCP-Pool muss das gesamte Subnetz umfassen.
Korrektur: Nur der geplante dynamische Vergabebereich muss im Pool liegen.
Falsch: „Ein Lease bedeutet, dass die IP nach Ablauf zwingend wechselt.
Korrektur: Clients erneuern Leases üblicherweise und können dieselbe Adresse behalten.
Falsch: „Gateway und DNS sind dasselbe.
Korrektur: Das Gateway vermittelt zu entfernten Netzen; DNS löst Namen auf.
Falsch: „DHCP-Reservierung und statische IP sind identisch.
Korrektur: Bei einer Reservierung verwendet der Client weiterhin DHCP.
Falsch: „Ich kann beliebig statische Adressen mitten im DHCP-Pool vergeben.
Korrektur: Unkoordinierte statische und dynamische Vergabe kann Adresskonflikte verursachen.

Praxis: einen Pool planen

Plane für 192.168.50.0/24: Router 192.168.50.1, Server 192.168.50.10, dynamische Clients 192.168.50.100–192.168.50.200.

  • Netzadresse: 192.168.50.0
  • Broadcast: 192.168.50.255
  • vorgesehener dynamischer Pool: 192.168.50.100–192.168.50.200
  • Router, Server, Netzadresse, Broadcast und alle weiteren Adressen außerhalb der Spanne sind in diesem Plan nicht Teil des dynamischen Pools. Nicht alle davon sind deshalb protokollreserviert.

Nächste Lektion

DHCP über mehrere Subnetze und Relay

Initiale DHCP-Suche stützt sich stark auf lokalen Broadcast. Router leiten solche lokalen Broadcasts normalerweise nicht weiter. Für einen zentralen DHCP-Server in einem anderen Subnetz wird deshalb ein Mechanismus wie DHCP-Relay benötigt. Die Konfiguration folgt erst in Lektion 4.

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